Unsere Forderung nach einer Herz-Vorsorgeuntersuchung – und die Antwort des Gesundheitsministeriums
- office30899
- 27. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit

Als Vertreter:innen von Selbsthilfegruppen im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben wir uns mit einem offenen Brief an das Gesundheitsministerium gewandt. Unser Anliegen: Die Einführung einer flächendeckenden Herz-Vorsorgeuntersuchung ab 40 – analog zur Krebsfrüherkennung. Denn Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin bleiben oft unerkannt, bis es zu spät ist.
Die Antwort des Ministeriums zeigt Anerkennung für das Thema, verweist aber auf:
▪ Die derzeit fehlende evidenzbasierte Empfehlung für ein solches Screening.
▪ Bestehende Angebote wie die österreichische Vorsorgeuntersuchung, die bereits Blutzucker, Cholesterin & Co. abdeckt.
▪ Den Fokus auf Prävention durch Lebensstiländerungen und höhere Teilnahmeraten an der Vorsorgeuntersuchung.
Hier das Mail:
Sehr geehrte Frau Teichert,
vielen Dank für Ihr Schreiben zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und die Anregung zur Einführung einer flächendeckenden Herz-Vorsorgeuntersuchung nach dem Vorbild der bestehenden Krebsfrüherkennung.
Screening-Programme wie beispielsweise das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm sind wichtige bevölkerungsbezogene präventive Maßnahmen, die der frühzeitigen Erkennung von Erkrankungen oder deren Vorstufen dienen - stets in einem asymptomatischen, subjektiv unbemerkbaren Stadium. Empfehlungen für die Einführung oder Streichung von Screening-Programmen erfolgen für spezifische Erkrankungen nach Überprüfung der Evidenzlage und der WHO-Kriterien für eine präzise definierte Bevölkerungsgruppe, üblicherweise alter- und/oder geschlechtsspezifisch ausgesprochen (vgl. Wann ist ein Screening gegen Krebs angezeigt?; Vorsorgeuntersuchung und screening: ein kurzer Leitfaden. Wirksamkeit erhöhen, Nutzen maximieren und Schaden minimieren, Population screening explained - GOV.UK). Eine vorsichtige Abwägung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses solcher Programme ist wichtig, unter Berücksichtigung falsch positiver und falsch negativer Ergebnisse, bzw. Überdiagnose und Überbehandlung, die durch jedes Screening-Programm hervorgerufen werden. Im Hinblick auf Herz-Kreislauferkrankungen gibt es derzeit keine Krankheit, für die es im Kindes- oder Erwachsenenalter eine eindeutige evidenzbasierte Screening-Empfehlung gibt, darunter auch Blutgerinnungsstörungen oder familiäre Hypercholesterinämie (eine Kaskadentestung gewisser Verwandtschaftsgrade bestätigter Fälle scheint hier ein besserer Ansatz zu sein). In manchen Ländern Europas wird zwar ein organisiertes Screening auf das Abdominale Aortenaneurysma (AAA) im Erwachsenenalter angeboten, allerdings scheint sich auch hier die Evidenzlage inzwischen weiterentwickelt zu haben (vgl. New WHO report: population-based screening for cardiovascular disease risk factors does not reduce CVD mortality).
Im Rahmen der in Österreich bestehenden, flächendeckend durch die Sozialversicherungsträger angebotenen Vorsorgeuntersuchung (VU) für Erwachsene wird auf viele der von Ihnen erwähnten wichtigen metabolischen Risikofaktoren untersucht, wie z.B. Bluthochdruck, Blutzuckerspiegel und der Cholesterinspiegel im Blut. Zusätzlich werden auch die hauptverantwortlichen verhaltensbasierten Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf Erkrankungen wie das Rauchverhalten, Alkoholkonsum, und körperliche Inaktivität untersucht und allfällige präventive Maßnahmen mit den Patient:innen diskutiert.
Im Hinblick darauf wäre die Einführung eines gesonderten Herz-Vorsorgeprogramms analog zu organisierten Krebsscreening-Programmen nicht evidenzbasiert, mit einem unklaren Zusatznutzen bei gleichzeitiger Schaffung von Doppelgleisigkeiten zu bestehenden Angeboten. Vielmehr sollten aus Sicht des BMASGPK Anstrengungen zur Senkung der Krankheitslast von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darauf fokussiert sein, die Risikofaktoren in der Bevölkerung durch verhaltens- und verhältnisbezogene Maßnahmen zu senken und die VU-Teilnahmeraten insbesondere im mittleren Lebensalter zu erhöhen, wobei wir auch auf Ihre Mitwirkung hoffen. Ihre Anregungen werden jedenfalls in bestehende strategische Überlegungen und Dialoge mit den SV-Trägern mit einfließen
Mit Dank und freundlichen Grüßen
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Sektion VI – Humanmedizinrecht und Gesundheitstelematik
Abteilung A/1 – Nicht übertragbare Erkrankungen und psychosoziale Gesundheit
Radetzkystraße 2, 1030 Wien, Österreich
Unsere Perspektive:
Zwar sind Aufklärung und Lebensstil zentral – doch viele Betroffene wissen nichts von ihren Risiken, bis ein Notfall eintritt. Wir bleiben dran und werden uns weiter für strukturierte Früherkennung starkmachen!
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